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Biografieorientierte Pflege – Ergebnisse aus dem Kurs 10/24D

Im Rahmen von Modul 9.2 haben sich vier Gruppen mit dem Fallbeispiel von Herrn Schneider beschäftigt und je eine biografieorientierte Methode ausgearbeitet. Die Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, wie vielfältig und kreativ Biografiearbeit in der Pflegepraxis eingesetzt werden kann. Alle Gruppen verfolgen dabei dasselbe Ziel: Herr Schneider das Gefühl vermitteln, sich verstanden zu fühlen, seine Erinnerungen zu aktivieren und sein Wohlbefinden zu steigern. 

Fallbeispiel: "Herr Schneider erinnert sich gern"

Allgemeine Angaben:

Herr Schneider ist 83 Jahre und lebt im Altenpflegeheim „Haus Sonnengarten“. ER hat Pflegegrad 3. Seine medizinischen Diagnosen sind Herzinsuffizienz, Arthrose in beiden Knien und eine beginnende Demenz (MMST 22 Punkte). Seit 8 Jahren ist er Witwer. Er hat eine Tochter, die 200 km entfernt wohnt. Bis vor dem Einzug in die Pflegeeinrichtung konnte er sich selbstständig versorgen. 

Aktuelle Pflegesituation:

Herr Schneider lebt seit 3 Monaten im Pflegeheim. Er ist freundlich, zeigt aber eine gewisse Rückzugstendenz und beteiligt sich kaum am Gruppenangebot. Oft wirkt er traurig, besonders an den Wochenenden. Im Gespräch erwähnt er immer wieder seine Jugendzeit „daheim auf dem Hof“, oder dass er „früher gern am Wasser gearbeitet“ habe, wird dabei aber nicht genauer. Das Pflegepersonal überlegt, mit Biografiearbeit den Kontakt zu ihm zu vertiefen, um seine Ressourcen und Interessen besser kennenzulernen. 

Hintergrundinformationen (aus der Pflegedokumentation und Gesprächen):

Geboren 1943 in Schleswig-Holstein, aufgewachsen auf einem kleinen Bauernhof
Ausbildung als Schiffbauer, später Werkstattleiter in einer Werft
Verheiratet von 1967-2018 (Ehefrau: Maria, verstorben an Krebs)
Ein Kind: Tochter Sabine, Lehrerin
Hobbys früher: Angeln, Gartenarbeit, Lesen von Reiseberichten 
Ehemaliges Ehrenamt bei der Freiwilligen Feuerwehr
Lieblingsmusik: Seemannslieder und Schlager der 1960er-Jahre

Fazit: was alle Gruppe verbindet

So unterschiedlich die gewählten Methoden auch sind – alle vor Gruppen teilen denselben Grundgedanken: Biografiearbeit beginnt mit echtem Interesse am Menschen. Ob über Musik, Gegenstände, eine Zeitreise oder ein strukturiertes Mehrstufenprogramm – stets stehen Herr Schneiders Lebensgeschichte, seine Ressourcen und seine Würde im Mittelpunkt. Die Vielfalt der Ansätze zeigt, wie flexibel und individuell Biografiearbeit eingesetzt werden kann – und wie viel Möglichkeit darin steckt, Menschen im Pflegealltag wirklich zu begegnen. 

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